Blick hinter die Kulissen der Eulenspiegel-Festspiele

Eulenspiegelfestspiele Foto: FranzitrifftdieLiebe

Nur alle drei Jahre finden die Eulenspiegel-Festspiele am Originalschauplatz auf dem historischen Marktplatz in Mölln statt. Im Theaterstück mit viel Musik und Tanz wird dabei eine komplett neu erfundene Eulenspiegelgeschichte erzählt. Eine Stadt spielt Theater, das Realbild wird zur Open-Air Theaterbühne, das historische Rathaus aus dem Jahr 1373 zur Kulisse und aus der Region stammende Schauspielerinnen und Schauspieler erwecken den Narren zum Leben. Dabei versteht es sich von selbst, dass der Till genau wie vor über 660 Jahren mit Geisteskraft, Durchblick und Witz seine Mitmenschen beim Wort nimmt und an der Nase herumführt. Heute wagen wir erneut einen Blick hinter die Kulissen und unsere Regieassistentin Petra berichtet über ihre Motivation, immer wieder bei den Festspiele mitzuwirken.

DIE FESTSPIELE UND ICH

Schon in der Theater AG meiner Schule wurde der Grundstein für die Liebe zur Arbeit als Regieassistentin gelegt. Der Versuch, mich für eine Sprechrolle auf der Bühne zu begeistern, scheiterte mehrfach. Ich liebe Theater aber bitteschön vor oder hinter der Bühne – niemals darauf! Als ausgebildete Tanzpädagogin war ich dann später doch auf der Bühne, zum Beispiel beim Tanztheater Hamburg oder für Peter Zadeks „Andi“ am Hamburger Schauspielhaus. Aber Tanzen und Sprechen sind ein himmelweiter Unterschied – kann man sich ja vorstellen. Zeitgleich habe ich dann einige Hospitanzen für Regieassistenz gemacht und war infiziert von diesem Beruf. Aber damals wurde man Regieassistentin, um später Regisseurin zu werden, Regisseurin wollte ich aber auch nicht werden und so ging ich andere Berufswege bis der Zufall mit Namen ‚Eulenspiegel-Festspiele‘ mich wieder in die Theater-Spur brachte. Worüber ich sehr froh bin. Meistens.

 

Mir war es nie wichtig, ob ich auf oder hinter der Bühne stehe. Das Dabeisein ist für mich das Wichtigste. Am kreativen Entwicklungsprozess teilnehmen und mitwirken zu können. Zu beobachten, wie aus einem Text ein unterhaltsames Theaterstück wird. In diesem Fall ist der Weg das Ziel! Man muss schon ein bisschen verrückt sein, wenn man während der schönsten Zeit des Jahres die Wochenenden damit verbringt, stundenlang in der Probenhalle zu sitzen, die Familie wissentlich komplett vernachlässigt wird, man sich nachts um drei mit Daunenjacke und Mütze zur Beleuchtungsprobe auf dem Marktplatz wiederfindet und man sich plötzlich fragt: „Was mache ich hier eigentlich?“

 

Da kommen 30 Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Von jung (14) bis alt (80), von dick bis dünn, von anspruchsvoll bis pflegeleicht, von Anfänger bis Profi. Und alle haben eines gemeinsam: Die Freude am Theater. Und wenn sich dann das „Wir-ziehen-alle-an-einem-Strang-Gefühl“ entwickelt, ist das großartig.
Jeder ist wichtig, um viele kleine Teile zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Die Erkenntnis, dass es nur funktioniert, wenn alle an Bord sind: ob Schauspieler – egal wie groß oder klein die Rolle ist- Regie, Assistenz, Techniker, Bühnenbild, Kostüm, Umbauhelfer, Requisite und Helfer, Helfer und nochmal Helfer- wenn ein Teil fehlt, läuft es nicht rund.

Um es mal mit Asterix zu sagen: Wir befinden uns in Mölln im Jahre 2018. Es ist heiß, die Sonne lacht und ganz Mölln zieht es raus in‘s Grüne, an den See, an‘s Meer, in den Garten, an den Grill, in den Urlaub. Ganz Mölln? Nein! Ein von unbeugsamen Theaterverrückten zusammengewürfelter Haufen, hört nicht auf, dem Sommer Widerstand zu leisten.
Und das Leben ist nicht leicht für alle Freunde und Familienangehörigen, die gern ihre Zeit mit den Liebsten verbringen würden. So wird geprobt, geprobt und nochmal geprobt bis….nun, seht selbst: am 9. August geht’s los!

 

Die Zusammenarbeit mit dem Regisseur der Eulenspiegel-Festspiele ist immer wieder erlebnisreich. Man weiß nie, wohin die Reise geht. Und nach vielen, vielen Stunden in denen alle ihr Bestes gegeben haben, wird es dann spannend: Premiere! Wenn ich vor der Bühne meinen Souffleusenplatz eingenommen habe, weiß ich, dass die Dinge jetzt ihren Lauf nehmen. Nichts kann mehr geändert werden. Ich kann jetzt nur noch dasitzen und zusehen, ob der Plan aufgeht. Funktioniert der Witz? Geht das Publikum mit? Springt der Funke über? Bald werden wir es wissen!

 

Was ich immer wieder faszinierend finde: Am Anfang ist da ein Textbuch. Und manchmal schaut man nach dem ersten gemeinsamen Lesen in fragende Gesichter. In diesem Fall liebe ich es zu sagen: „Stell Dir das Stück vor wie eine leere Wohnung bei einer Wohnungsbesichtigung. Da würdest Du ja auch nicht sofort einziehen.“ Alles ist kahl und leer. Die Räume sind vorhanden, die Aufteilung steht fest und es gibt Fenster und Türen. Mir geht es dann immer so, dass ich anfange, diese Wohnung in Gedanken einzurichten. Hier ist das Wohnzimmer, da steht das Sofa… oder nein, vielleicht lieber da? Da muss Licht hin, hier brauche ich ein Bild an der Wand oder eine bunte Tapete.

Und dann probiert man so lange herum, bis alles passt, fertig eingerichtet ist und man sagt: toll, schön, hier möchte ich wohnen. Genauso verhält es sich für mich bei einem Theaterstück. Der Text ist vorhanden aber es braucht einiges an Fantasie, Arbeit, Hingabe und Leidenschaft, um ihn auf die Bühne zu bringen. Und es gibt 1000 Wege und Möglichkeiten, da kann es schon mal sein, dass man – im übertragenen Sinne – den Sessel von rechts nach links schiebt bis man sagen kann „es passt!“

 

Was macht eigentlich eine Regieassistentin der EUlenspiegel-Festspiele? Nun, wenn man‘s genau nimmt: Alles! Sie kommt als Erste und geht als Letzte. Sie fegt, putzt, räumt auf, klebt die Bühne ab, kocht Kaffee, wenn sich kein anderer findet. Sie bereitet vor und bereitet nach. Sie notiert Textänderungen, Positionen, Requisiten. Sie ist die Verbindung zwischen Regie, Produzent und Schauspielern. Sie verzweifelt am Schreiben der Probenpläne. Sie lacht sich kaputt über neue Pointen der Schauspieler. Sie springt für fehlende Schauspieler ein. Sie schreibt Listen über Listen mit Szenenplänen, Ablaufplänen, Besetzungslisten. Sie zerbricht sich gemeinsam mit dem Regisseur den Kopf über Lösungen für komlizierte Auf- und Abgänge. Sie redet viel mit dem Regisseur (in diesem Jahr sind es sogar zwei!), gern auch bis in die Nacht und freut sich, wenn sie eine gute Idee hat.

Langeweile oder Stillstand gibt es nie, wenn man im „Probentunnel“ steckt. Und schließlich: Sie freut sich für und mit allen Anderen, wenn alles gut läuft denn schließlich ist sie ja ein Teil des großen Ganzen, auch bekannt als Eulenspiegel-Festspiele!

 

Fotos von Franzi Schädel

Hintergrundinfos zur Fotografin Franzi Schädel

Franzi ist hauptberufliche Fotografin, Bloggerin und Autorin aus Bäk und trifft nicht nur „die Liebe“, sondern natürlich auch das Leben.
Während sie als „Franzi trifft die Liebe“ Hochzeiten und Familien, ganz ungestellt und nahbar, begleitet, hat sie sich mit „Franzi trifft das Leben“ den Businessbereich ausgebaut.
In diesem begleitet sie Menschen in ihrem Leben oder ihren Berufen. Auch hier setzt sie auf einen erzählenden und authentischen Reportagestil und nimmt Abstand von den typischen „Stell dich mal an diese Wand“ Bildern.

Als Bloggerin schreibt sie unter ihrem Namen „Franzi Schädel“ rund um das nachhaltige und grüne Leben und das faire Reisen und hat, zusammen mit dem Kosmos Verlag, zwei Kochbücher („Mein veganer Adventskalender“ und „Biokiste vegan“) auf den Markt gebracht.
www.franzitrifftdieliebe.de
www.franzischaedel.de