2021 – Von Höhen, Tiefen und einer Krippe ohne Ochse

Das Jahr 2021 hatte sicher für jeden so seine Höhen und Tiefen. Gemeinsam haben wir Revue passieren lassen und eine Bilanz der vergangenen 365 Tage gezogen. Lest selbst!

Puh, schon wieder wird es Zeit für einen Jahresrückblick. Keine leichte Aufgabe, die grauen Zellen noch einmal anzustrengen und interessante Details aus knapp 365 Tagen für Euch aufzubereiten. Aber wir wären nicht wir, wenn wir nicht auch irgendwie Spaß daran hätten, das Jahr Revue passieren zu lassen, damit Ihr an unserem Chaos teilhaben könnt. Hier also das Jahr 2021 aus unserer Sicht.

Das Jahr hat mit einem Lockdown angefangen. Das hieß bei uns klare Kohorten-Trennung nach jeweiliger Abteilung und abwechselnd Homeoffice bzw. Stellung im Büro halten. Verrückte Zeiten aber irgendwie doch ganz gut gemeistert. Jede Kohorte hat sich die Zeit im Büro so nett wie nur möglich gestaltet, z.B. mit gemeinsamen Frühstückspausen, Hörbüchern die im Hintergrund liefen und wir haben alle regelmäßige kurze Online-Teammeetings gemacht, um uns gegenseitig auszutauschen.

Arbeiten wenn´s überhaupt nix zu arbeiten gibt?

Ihr fragt Euch, was wir so im Lockdown an Arbeit hatten, wenn doch das Museum geschlossen und keine Veranstaltung in Sicht war? Ich würde gerne antworten: Die Zeit genutzt, um Ordnung ins bestehende Chaos zu bringen, wie z.B. unser Lager. Aber natürlich ist dem nicht so. Wir konnten mal wieder die Füße nicht stillhalten und haben statt aufzuräumen an einer ganzen Menge neuer Projekte getüftelt. Dazu aber, der Chronologie wegen, später mehr.

Der Januar war demnach noch sehr ruhig. Unser Weihnachtsbäumchen, das wir dennoch für Euch aufgestellt und geschmückt hatten, fiel letzten Endes den Motorsägen zum Opfer und die Krippe mit den Weihnachtsfiguren wurde auch wieder abgebaut. Wir können uns nur irgendwie nicht mehr daran erinnern, wann das wie und durch wen passiert ist. Schade, denn ansonsten wüssten wir vermutlich, wer den Herrnhuter-Stern halb auseinandergebaut hat. Dem Schuldigen hätten wir nämlich gerne die kniffelige Aufgabe übertragen, ihn auch wieder zusammenzubauen. Aber gut, vielleicht waren wir es ja auch selbst?!

Die Wintermonate zogen so dahin und der Frühling stand schnell vor der Tür – leider ohne Veranstaltungen, dafür aber mit einer Frühjahrsbepflanzung im Kurpark, welche die Vorjahre bei Weitem übertroffen hat. Einige Kolleginnen entflohen dem Homeoffice kurzzeitig und halfen unserem Kurpark-Team beim Bepflanzen der Beete. Eine kreative, aber gar nicht so einfache Aufgabe, wie sie feststellen mussten. Dennoch ein tolles Resultat. Und auch die Pflanzenzwiebeln aus dem Winter zuvor wuchsen prächtig und sorgten regelrecht für Frühlingsgefühle.

Die Gartenromantik ist dann leider dem „C-Monster“ zum Opfer gefallen und auch das Maibäumchen musste erneut auf seinen wilden Ritt mit dem Eulenspiegel verzichten und wurde ohne großes Tamtam aufgestellt. Da die Männer vom Round Table also ein weiteres Jahr geschont wurden, können sie wenigsten im kommenden Jahr 110% geben. Falls unser Till also ein paar Lockdown-Pfunde mehr zugelegt hat (ich will ihm nichts unterstellen), können die Männer das trotz allem wuppen. Es schien jedenfalls so, als sollten wir gar nicht mehr aus dem Büro rauskommen.

Aber Ihr durftet wieder raus, ab Mitte Mai war der Tourismus in Schleswig-Holstein wieder freigegeben und so durften wir Euch wieder als unsere Gäste in der Eulenspiegelstadt begrüßen. Ein tolles Gefühl, endlich wieder mit der typischen „Quadratgeste“ nach Stadtplänen gefragt zu werden.

Und wie heißt es so schön? Alles neu macht der Mai! Und so haben wir pünktlich zum Tourismus-Restart unsere Digitale Gästemappe an den Start gebracht. So habt Ihr die Eulenspiegelstadt und alle wichtigen Infos immer kompakt in der Hosentasche mit dabei. Ist im Prinzip eine Datenbank, die wir mit allen möglichen Infos speisen und am Ende wie eine App funktioniert, aber nicht heruntergeladen werden muss. So jedenfalls könnte man es einigermaßen einfach und verständlich erklären. Hier im Hause wurde von unseren Techniknerds allerdings immer nur von PWA (auch lang: Progressive Web App) gesprochen und der Rest hat nur Bahnhof verstanden. Ich weiß noch genau, wie eine meiner Kolleginnen mich nach einem Meeting fragte, was denn PWA heißt. Sie wollte im Meeting nicht nachfragen, was genau das bedeutet und hat so getan, als würde sie alles verstehen. Aber was soll ich sagen? Ich habe genau dasselbe getan. Was angesichts dessen, dass ich die ganze Zeit an der PWA mitgearbeitet habe, doch recht ironisch ist. Das meine Lieben ist der Tatsache geschuldet, dass man als jüngste Person im Büro automatisch für einen ITler gehalten wird. Aber auch ich kann nur die Frage stellen: „Haben Sie es bereits mit an- und ausschalten versucht?“

Wenn dir das Leben einen Kürbis gibt, mach eine Kutsche draus oder so…

Mai wie im Flug vergangen, zack stand der Juni vor der Tür und mit ihm ein Planwagen vor unserem Historischen Rathaus. Unser Kutscher Peter und seine Pferde Wankje, Alex und Arizona entführen Euch seitdem regelmäßig in die ruhige Natur, deren Stille einzig und allein vom Hufgetrappel der Pferde unterbrochen wird. Bevor wir dieses neue Angebot auf Euch losgelassen haben, mussten die Kolleginnen und ich uns aber erst einmal selbst davon überzeugen. Ein heiterer Nachmittag, das kann ich Euch sagen, der die ein oder andere Überraschung parat hielt. Mehr sei aber nicht verraten, muss man nämlich selbst erleben. 

Planwagenfahrt durch die historische Altstadt; Foto: © Kathrin Thomann
Planwagenfahrt durch die historische Altstadt; Foto: © Kathrin Thomann

Endlich wieder Veranstaltungsluft schnuppern

Und dann war es endlich so weit – das erste Juliwochenende stand tatsächlich wieder ganz im Zeichen der Straßenkunst und wir konnten tatsächlich das Kurpark Spektakel durchführen. Wir haben wirklich gebangt, schon fast nicht an eine Durchführung geglaubt und dann doch mit einem Schnellschuss die Veranstaltungssaison gestartet. Wir waren nervös, wir waren aus der Übung, wir waren gestresst, aber wir waren auch wieder voller Hoffnung und Euphorie, diese Momente nach zehn langen Monaten mit Euch teilen zu können. Einen ausführlichen Beitrag über diese Achterbahnfahrt der Gefühle lest Ihr hier.

Ende Juli starteten wir dann mit einem weiteren neuen Angebot, an welchem wir in der Lockdown-Zeit getüftelt haben. Und so startete unser Türmer Ralph mit seiner neuen Erlebnisführung. Mit ihm könnt Ihr die historische Altstadt von Mölln erkunden und erhaltet spannende Einblicke aus dem damaligen Berufsalltag eines Türmers.

Im August haben wir uns dann nach Cornwall entführen lassen – zumindest akustisch. Die DreamTeamer Hörspieler haben uns mit ihrem Live-Hörspiel im Kurpark und einem spannenden Fall ins Moor gelockt. Es war total spannend und fasziniert gemacht. Besonders viel Freude hatte ich dabei die Besucher und Besucherinnen zu beobachten. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ein junger Mann sich eine Decke auf dem Boden ausgebreitet und sich daraufgelegt hat, um mit geschlossenen Augen ganz den Geschehnissen zu lauschen. Ich will ja nicht angeben, aber unsere Gäste sind eben die Besten!

Auszug aus dem Künstlerbuch 2021; Foto: © Kathrin Thomann
Auszug aus dem Künstlerbuch 2021; Foto: © Kathrin Thomann

Hilfe, warum löscht denn niemand dieses Internet?

Drei Tage später kamen wir dann auch schon mit unserer neuen Website um die Ecke. Das vermutlich größte Projekt, an dem wir in den vergangenen Monaten geackert haben. Und ich meine wirklich geackert. Unsere Techniknerds waren ja von Sekunde eins an Feuer und Flamme, was die neue Website angeht. Ich war auch voll dafür, den alten Schlunz einmal zu überarbeiten und schick aufzubereiten. Aber das hätten eben auch gern unsere Techniknerds alleine machen dürfen, aber nein – mit gehangen, mit gefangen! Anfangs in der Einführung nur Bahnhof verstanden, dann Learning by Doing irgendwie gemeistert. Aber wenn man monatelang nur daran arbeitet, dreht man irgendwann durch und urplötzlich standen wir (die Website und ich) auf Kriegsfuß miteinander. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich mir gerne gewünscht, dass meine Oma wirklich mal versehentlich das Internet löscht. 😀 Nach dem Website-Launch habe ich mir auch erst mal meine Pause davon genommen und sie nur stiefmütterlich behandelt. Mittlerweile geht´s wieder. Hat mich viele Nerven gekostet, aber sieht schick aus – kannste eben nix gegen sagen.

Zur Belohnung wurde dann Ende August im Kurpark mit Max and Friends eine kleine, aber dennoch fette Party gefeiert. Das Altstadt-Musikfestival beinhaltete eine Reihe von kleinen Sitzkonzerten mit tollen Künstlern und der Gelegenheit, an unserem Platz zu tanzen und eine tolle Zeit zu haben.

Aber bereits Ende August wurden die Regeln schon wieder etwas verschärft und so bangten wir natürlich um das Spektakulum Mulne im September. Völlig grundlos, wie sich herausstellte. Denn wir durften und hatten einen wahnsinnigen Zulauf. Mittelalterfans strömten von überall her und wir kamen bei Euren tollen Kostümen und Gewandungen gar nicht mehr aus dem Staunen. Das Spektakulum konnte zwar nicht wie in gewohnter Form stattfinden, weshalb wir uns einige Alternativen überlegen mussten, aber so konnten wir auch hier wieder mit einigen tollen neuen Dinge aufwarten. Unter anderem einem Schandpfahl als Selfiepoint, den unser lieber Tischler vom Bauhof extra angefertigt hat. Und auch neue Programmpunkte wie das Tavernenquiz und der Mittelalter-Talk kamen sehr positiv bei Euch an. Das ist ebenso das „Problem“, wenn man Dinge gut macht – man muss sie auch in Zukunft machen. Mein persönliches Programmhighlight auf dem Spektakulum war jedoch ein spontan überlegter Überfall auf den Herzog. Der Arme wusste nur leider nichts davon, sodass wir uns alle ein wenig schadenfroh über seinen irritierten Gesichtsausdruck amüsierten. Hat er aber dennoch gut gemeistert mit seinen Schauspielkünsten.

Der Oktober war verhältnismäßig ruhig. Die Urlaubssaison ging so allmählich zu Ende, es fand keine Veranstaltung statt und wir konnten uns ein wenig vom Trubel erholen. Wir haben quasi noch einmal Kraft für die bevorstehende Weihnachtsmarktsaison getankt. Die hat es nämlich auch immer in sich.

Mitte November geht es bereits damit los, dass wir unseren Weihnachtsbaum fällen und transportieren müssen. Ist immer eine sehr kribbelige Angelegenheit, kann ich nun selbst bestätigen. Das Fällen an sich geht superschnell und ist beinahe unspektakulär. Beim Festzurren wird´s schon interessanter, denn davon hängt ab, ob wir nachts fahren und das Bäumchen nach Mölln bringen dürfen. Aber auch das war in diesem Jahr total unkompliziert und entspannt. Meine Kollegen haben mir bislang immer sehr nervenaufreibende Geschichten erzählt, da das mein erster Baum war und alles tutti gelaufen ist, weiß ich ehrlich gar nicht, was die Männer immer haben. ? Baum also transportiert, aufgestellt und im Anschluss direkt geschmückt, ging´s ´ne Woche später dann auch schon mit dem Aufbau des Weihnachtsmarktes los.

Hier war´s direkt von Beginn an chaotischer. Es fing alles mit der Krippe an. Anders als sonst habe ich diese mit meinem Kollegen, dem Herrn Eulenspiegel aufgebaut. Dass das mit uns beiden Chaoten nicht rund laufen konnte, war von vornherein klar. Krams hochgetragen, gemerkt, dass da falsche Sachen mit bei sind. Falschen Krams wieder runtergetragen. Teile von A nach B gestellt, weil irgendwie nicht genügend Platz da war. Abwechselnd lange auf die Einzelteile und die Anleitung gestarrt. Einfach mal angefangen. Gemerkt, dass eine Schraube fehlt und händeringend versucht, schnell eine passende aufzutreiben. Das muss ein schönes Bild gewesen sein. Eulenspiegel und ich sind im Wechsel durch´s ganze Haus geflitzt, während der jeweils andere die Krippe gestützt hat, damit nicht alles wieder in sich zusammenfällt. Einmal mit Profis arbeiten… Schraube gefunden, dann zwischenzeitlich ablenken lassen und anderen Krams gemacht. Weiter ging´s dann mit dem Raffen von Stoff und dem Positionieren der Figuren – hat im Vergleich zu den Vorjahren total einfach gepasst. Am Ende versucht die Scheibe zu putzen und den Dreck nur noch mehr verschmiert. Aber am Ende des Tages doch stolz auf das Ergebnis geblickt.

Ein gestalterischer Fauxpas oder auch die Krippe ohne Ochse

ABER und jetzt kommt das schöne aber, welches diesem Jahresrückblick seinen Titel verleiht – ein paar Tage später mussten wir dann feststellen, dass uns ein Fauxpas unterlaufen ist. Als ich so am Herumräumen der Kartons war und schon einmal ein bisschen Ordnung schaffen wollte, fand ich einen letzten Karton der Krippenfiguren, in dem sich der Ochse befand. Wir hatten also eine Figur vergessen, kein Wunder, dass alles so easy in die Krippe passte. Schnell leise den Eulenspiegel geholt und ihm unser Missgeschick gezeigt, haben wir uns anschließend der Frage gestellt, was nun zu tun sei. Die Krippe noch einmal aufschrauben, alle Stoffe und Figuren herausnehmen und noch mal von vorne beginnen? Niemals! Also einigten wir uns darauf, die Figur zu verstecken und für den unwahrscheinlichen Fall, dass es jemandem der Kollegen auffiel, einfach unwissend zu tun. Wie habe ich vom Eulenspiegel gelernt: „Man muss sich nur einig über die Geschichte sein, die man den anderen erzählt.“ Wir haben uns aber auch direkt darauf geeinigt, dass das eine lustige Anekdote für danach ist, wenn es tatsächlich keinem der Kollegen und Kolleginnen auffallen sollte. Daher nun das offizielle Schuldbekenntnis: Ja, wir haben den Ochsen vergessen. Ja, wir haben es geheim gehalten und ihn einfach versteckt. Bitte verdreht einfach nur kurz die Augen, lacht herzlich darüber und lasst uns die Krippe nie wieder alleine aufstellen. Danke!

Till und der fehlende Ochse © Kathrin Thomann
Till und der fehlende Ochse; Foto: © Kathrin Thomann

Dem Weihnachtsmarkt hat dieses kleine Missgeschick aber keineswegs geschadet. Sah nämlich trotzdem alles sehr schicki und gemütlich aus mit den ganzen Lichtern, Laternen und unserem Riesenbäumchen. Trotzdem war auch beim Weihnachtsmarkt nicht alles wie gewohnt, die Regeln waren streng, das Wetter ließ anfänglich zu wünschen übrig, aber Ihr seid trotzdem vorbeigekommen und habt Euren Punsch wie gewohnt unter´m Baum genossen.

Mittlerweile ist fast alles wieder abgebaut und nur noch das Bäumchen und die Krippe lassen auf die gemeinsame Adventszeit schließen. Wir verbringen gerade genauso wie ihr die wohlverdienten Feiertage daheim auf dem Sofa. Ich habe mir meinen Bauch schon mit Raclette, Rotkohl und jeder Menge Plätzchen vollgeschlagen und blicke nun auf das bevorstehende neue Jahr. Was es für uns parat hält, kann wohl keiner so genau sagen. Aber wenn es auch nur halbwegs nach Plan verläuft, haben wir ein Monsterjahr mit jeder Menge Gründe zum Feiern vor uns. Die Veranstaltungssaison 2022 will vorbereitet werden und mit ihr vor allem die Eulenspiegel-Festspiele im Sommer. Die Pflanzenzwiebeln für den kommenden Frühling sind auch schon gesteckt. Und wir wären nicht wir, wenn wir nicht auch schon wieder an einigen neuen Projekten arbeiten würden. Aber das ist alles noch streng geheim, da kann ich Euch leider noch nichts verraten.

Aber lasst uns doch gemeinsam mit ein wenig Ungewissheit, aber auch voller Hoffnung auf die nächsten 365 Tage blicken – auf dass sie jede Menge Momente für uns parat halten, an die wir uns rückblickend gerne erinnern. ?