Die Menschen hinter der Pension Seeschlösschen

Reisen und Ankommen – mit dem Camper unterwegs, die Heimat im Schlösschen

„1907“ steht in goldenen Ziffern ganz oben an der Jugendstilvilla und darunter, in einem romantischen Schriftzug, „Seeschlösschen“. Wer hier, an diesem idyllischen Ort am Schulsee, vorbeikommt, macht einen Spaziergang mit oder ohne Vierbeiner, genießt die Ruhe, wenige Meter von der Altstadt entfernt und entschleunigt seinen Alltag. Viele Menschen möchten aber gar nicht „vorbeikommen“, sondern steuern gezielt das Seeschlösschen an, um hier zu verweilen. Dann lässt sich der große und liebevoll angelegte Garten der Pension entdecken und der Seezugang lädt zu einem Bad oder einer Bootstour ein. Wer einmal hier war, plant gerne schon seinen nächsten Besuch. Und das liegt an der ebenso herzlichen wie lockeren Atmosphäre, die von den Gastgebern Sina und Andreas Rönnau im Seeschlösschen geschaffen wird.

 

Außenansicht vom Seeschlösschen
Foto: © Thomas Biller

 

„Das Haus hat uns gefunden“

 

Familiär und sehr entspannt lassen sich die beiden Betreiber erleben. Leben und leben lassen, helfen und beraten bei Bedarf, Wünsche der Gäste unauffällig erfüllen; Sina und Andreas Rönnau haben das feine Gespür, um den individuellen Wohlfühlfaktor für jeden Gast zu verwirklichen.

Dabei hat sich das Ehepaar nicht in ein „gemachtes Nest“ gesetzt, als sie mit einem gemeinsam gefassten Familienbeschluss das Haus 2018 in ihr Eigentum übernommen haben. Vorausgegangen waren fünf Jahre, in denen sie den Betrieb bereits führen konnten.

Das Seeschlösschen und dessen damaliges Betreiberpaar kannten Sina und Andreas, seitdem sie in Mölln 2006 ankamen und fortan ihre Gastronomie am Mühlenplatz hatten. Damit sollte dann irgendwann Schluss sein; sie wollten verkaufen und endlich einmal Urlaub nachholen. „Bevor die Kinder in die Schule kommen, eine entspannte Europareise mit dem Campingbus“ erinnert sich Sina Rönnau, „da boten uns ganz überraschend Gäste von uns an, dieses Haus hier zu übernehmen“.

 

Heute erfreue ich mich jeden Tag daran, dass ich hier bin

Andreas Rönnau
Andreas Rönnau im Garten des Seeschlösschens Foto: © Thomas Biller

2010 hatte das Seeschlösschen seine Besitzer gewechselt, die dann mit verschiedenen Betreiberpaaren den Betrieb einer Pension wieder mit Leben erfüllen wollten. „Wir kannten die Eigentümer und irgendwann kamen wir ins Spiel. Sie haben uns einfach gefragt“, weiß Andreas. Das war im Jahr 2013. Statt fünf Wochen quer durch Europa gab es eine sechsstündige Nacht mit wenig Schlaf: „Wir haben um Mitternacht den Schlüssel unserer Gastronomie übergeben und am Morgen hier dann im Seeschlösschen das Frühstück zubereitet“, lacht der gelernte Hotelfachmann Andreas Rönnau, „und heute erfreue ich mich jeden Tag daran, dass ich hier bin“.

Jetzt leben sie in und mit diesem, ihrem Haus. Mit den Kindern Tosca und Paula, mit Andreas` Mutter Frauke, den willkommenen Gästen und der besonderen, schönen Umgebung von Altstadt und Schulsee. Seitdem Frauke Rönnau ihr Domizil in Hamburg abgegeben hat, schnell neue Kontakte über die Wandergruppe finden konnte und sich leidenschaftlich um den Garten kümmert, definiert sie ihren Lebensstatus als „Dauerurlaub“.

 

Dem Haus sein Gesicht zurückgeben

 

Alte Mauern verraten ihre Geheimnisse häppchenweise und so gehört es für Sina und Andreas Rönnau dazu, immer mal wieder eine neue kleine Baustelle abzuarbeiten und gleichzeitig die Zimmer behutsam technisch mit dem Stand von heute auszustatten und zeitgemäßen Komfort und Einrichtung mit dem Charme des Hauses in Einklang zu bringen. „Wir versuchen, diesem Haus Stück um Stück das Gesicht zurückzugeben, dass es einmal hatte“, sagt Sina mit einem liebevollen Unterton.

Als Villa ist das Gebäude vor über 100 Jahren entstanden, nach Kriegsende 1945 war eine englische Kommandantur hier eingezogen. „Bis 1958 waren hier Flüchtlinge untergebracht und 1965 wurde der Betrieb als Pension aufgenommen“, haben Sina und Andreas recherchiert.

 

 

Wir wissen nicht, seit wann wir ein Paar sind

 

Vielleicht liegt ein Schlüssel zur sympathischen Atmosphäre im Seeschlösschen, neben der Ausstrahlung des Gebäudes selbst, in der Gelassenheit der Gastgeber, Dinge anzunehmen, pragmatische Wege einzuschlagen und Gästen Wohlbefinden zu vermitteln, in den Wegen, die Sina und Andreas zu diesem Ort geführt haben. Beide sind Profis und offen für Neues. Andreas hat seine berufliche Laufbahn im renommierten Hamburger Fünf-Sterne–Hotel Louis C. Jacob begonnen, Sina in Berlin Systemgastronomie bei einer Bahntochter erlernt. Kennengelernt haben sie sich, als sie beide als Personal-Trainer gearbeitet haben. „Wir wurden häufiger gemeinsam eingesetzt, waren viel in Deutschland unterwegs und haben in den Hotels unsere Trainings-Einheiten für den nächsten Tag abgestimmt“, sagt Sina. Und Andreas ergänzt: „Das war immer nur auf den Job ausgerichtet, eben professionell“. Irgendwann wurde aus der Nähe im Job mehr, aber „das war irgendwie ein fließender Übergang“, schmunzelt Andreas und Sina sagt: „Es ist tatsächlich so: Wir wissen nicht, seit wann wir ein Paar sind.“

 

Fünf Wochen im Bus? – Nie im Leben

 

Natürlich entsteht dann irgendwann der Wunsch, gemeinsam zu leben und zu wohnen. „Das zarte Pflänzchen unserer Beziehung entwickelte sich. Aus den Erfahrungen, die ich schon im Zusammenleben mit Partnerinnen hatte, war mir klar, dass ich das eigentlich nicht mehr wollte“, erinnert sich Andreas. Er wohnte in Hamburg, Sina in Berlin und beide sahen sich so oft es ging, aber eben nicht im alltäglichen Zusammenleben. So engagiert, wie die beiden in ihren Jobs waren und es heute im Seeschlösschen sind, hatten sich Überstunden angesammelt. Andreas: „Das hätte für fünf Wochen gemeinsamen Urlaub gereicht und Sina meinte dann, wenn wir fünf Wochen Urlaub in einem Camping-Bus miteinander aushalten, können wir auch zusammenziehen. Damals dachte ich ´fünf Wochen im Bus? – Nie im Leben!´ – und sagte zu Sina: ´na klar, wenn wir das hinbekommen, können wir auch zusammen wohnen´. Und Sina hat Recht behalten; wir sind in diesen fünf Wochen, unterwegs in Frankreich und Spanien, hervorragend miteinander klargekommen und dann zusammengezogen.“

 

Für ein berufliches Weiterkommen gab es irgendwann den Punkt, an dem beide hätten nach Frankfurt gehen müssen. Dann kam die private Einladung zu einer Gastronomie-Eröffnung in Mölln und kurz darauf, das Angebot, dort einzusteigen. Vom ersten Kennenlernen der Stadt und der Region bis zum Umzug in die Eulenspiegelstadt vergingen gerade einmal drei Wochen; „es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Andreas über die Stadt.

 

Sina und Andreas Rönnau betreiben das Seeschlösschen in Mölln
Foto: © Thomas Biller

 

Weil wir uns lieb haben

 

Für Sina und Andreas Rönnau ist es ein großes Glück, dass sie sich durch die Arbeit kennengelernt haben. „Wir haben durch all die Jahre immer die Ebene, dass wir gemeinsam arbeiten können, es funktioniert immer“, meint Andreas. 2007 hat das Paar geheiratet und sie haben ihre Positionen gefunden. Sina drückt es so aus: „Im Job ist Andreas das Herz und ich bin der Kopf. In unserer Paarbeziehung ist es genau andersherum.“

Es ist kaum anders zu erwarten: auch der Heiratsantrag wurde gewissermaßen während der Arbeit gemacht. „Wir hatten unsere Gastronomie, Sina hatte Geburtstag, ihre Familie war da und der Laden voller Gäste, da dachte ich, es ist der richtige Moment; da kann ich auf die Knie gehen und sie fragen“, erzählt Andreas. Und warum haben sie geheiratet? „Weil wir uns lieb haben“, sagt Andreas ohne jedes Zögern und drückt damit vielleicht sogar unbewusst aus, dass beide auch nach 12 Jahren Ehe eine mehr als harmonische Einheit bilden.

 

Es ist genug Sonnenuntergang für alle da

Sina Rönnau
Sina Rönnau Foto: Thomas Biller©

Es macht Freude, den jungen Pensionswirten zuzuhören und mitzuerleben, wie sie ihr Familienleben mit drei Generationen und den Betrieb der Pension Seeschlösschen gestalten. Und wie es ihnen Freude bereitet, das charmante Haus, den herrlichen Garten und den See samt Steg mit Blick auf St. Nicolai Gästen anbieten zu können. „Ich finde es wunderschön, wenn sich Gäste abends am Ufer einfinden, um die Abendstimmung zu genießen. Es ist genug Sonnenuntergang für alle da“, schwärmt Andreas Rönnau. Und Sina ergänzt: „Es ist schön, zu spüren, dass viele Gäste, wenn sie hier ankommen, ganz schnell tiefenentspannt sind. Das leben wir vor; jeder darf hier so sein, wie er möchte“.

 

Der Camping-Bus steht auch heute noch vor der Tür; ein anderes Auto braucht die Familie nicht. Und die damals geplante ausgiebige Europareise? „Die holen wir nach und es kann auch eine Weltreise werden; wir haben es auf die Rente verschoben, in vielen Jahren“, sagt Sina. Und so, wie sie einen bei diesen Worten ansieht, spürt man die Überzeugung, dass Sina und Andreas Rönnau das auch tun werden.

 

Hoffentlich erst in ganz vielen fernen Jahren.

 

Blick auf die Altstadt vom Seeschlösschen
Foto: © Thomas Biller

 

Interview, Text und Fotos: Thomas Biller