Traditionsbier aus dem 14. Jahrhundert – Geheimes Start-Up Unternehmen

Till Eulenspiegel

Hic Fuit, seid gegrüßt!
Hallo, ich bin es, Euer Till!

Lasst uns gemeinsam eine Zeitreise machen. In einer Zeit, in der Gummistiefel noch aus Holz waren, Vegetarier noch Fleisch gegessen haben, Autos noch Kutschen hießen und Großbauprojekte wie die St.-Nicolai Kirche pünktlich fertig gestellt wurden. Wir befinden uns mitten im 14. Jahrhundert.

Mölln 1188 urkundlich das erste Mal erwähnt, war zu diesem Zeitpunkt noch keine 200 Jahre alt. Ein junges, aufstrebendes und dynamisches Städtchen; überall sprossen Backsteinhäuser wie Pilze aus dem Boden, neue Wege wurden gelegt, befahrbar bis in die heutige Zeit, ein von Seen und Wäldern romantisch umgebenes Neubaugebiet welches in Pracht und Schönheit schon damals eine Perle unter den Kleinstädten war.

Auf dem Möllner Marktplatz herrschte ein buntes Treiben. Händler boten ihre Waren an, Bettler bettelten Reichere an, Gläubige beteten Gott an und ich nahm mich des Narrentums an.
Feste wurden gefeiert, wie sie gefallen waren. Alt und Jung vergnügten sich gemeinsam auf dem Marktplatz, sie schauten und staunten bei den Kunststücken der Gaukler, sie lauschten und fürchteten sich vor den Voraussagungen der Hellseherinnen (damals gab es noch keine Gender Problematik, weshalb ich an dieser Stelle auf die männliche Form (Hellseher) verzichte), sie tanzten und jubelten zur Musik und das Bier floss in Strömen von früh bis spät.

Die Menschen hatten ein völlig entspanntes, freies und sorgloses Leben. Aber nicht nur unsere Spezies, auch Hühner, Hunde und viele weitere Tiere tollten herum, spielten in den eng verwinkelten Gassen des aufstrebenden Möllns. Bis auf die eine oder andere Ausnahme, war das frühe Spätmittelalter von Leichtigkeit kaum zu überbieten.

Okay, es gab Krankheiten die ausbrachen, wie zum Beispiel die Pest, Typhus, Milzbrand, Lungentuberkulose und viele Weitere. Alles Krankheiten, die zum Tod führten. Aber hey, die medizinische Versorgung linderte bestimmt einen Großteil der Schmerzen der Betroffenen.

Es war aber auch eine Zeit, in der in Mölln, so wie an vielen anderen Orten dieser Welt, die Menschen den Luxus von Toiletten noch nicht kannten und auch die Tiere erledigten ihre Notdurft mit allem, was dazu gehörte einfach genau dort, wo gerade Platz war und warum sollten sich die Halter um die Hinterlassenschafften ihrer Tiere auf der Straße kümmern, wenn die eigene direkt nebenan lag?

Bergeweise waren die Gassen und Wege überzogen von einer wohl nicht sehr rosig riechenden Schicht aus Fäkalien, Essensresten und Müll. Mensch und Tier, frei von jeder Scham, hockten an Hausecken, entledigten sich auf dem Gehweg oder mitten auf den Marktplatz. Die Spülung des damaligen überregionalen Großraum-WC übernahm der Regen. Die Lage Möllns, kombiniert mit dem Niederschlag taten ihr Bestes, um die Straßen ab und zu frei zu spülen und die ganze Kloake sammelte sich in den Möllner Seen.

Das bis dahin so fade Seewasser wurde bereichert mit vielen wertvollen Inhaltsstoffen. Es hatte die besten Voraussetzungen, etwas Großes, etwas mit Worten kaum zu Beschreibendes aus diesem Wasser zu schaffen. Ein Getränk, welches so vollmundig, süffig und im Geschmack vollkommen gewesen sein muss, das es einem das Wasser im Mund zusammen laufen ließ – Bier!

Vom Reinheitsgebot konnte man wohl noch nicht sprechen, aber durch den Prozess des Brauens, wurde aus dem so aufopferungsvoll aufbereiteten Wasser ein genießbares Getränk.
Dieser Hopfentee, mit all seinen besonderen Geschmacksnoten, bleibt uns in der heutigen Zeit leider vorenthalten. Ich glaube aber nicht mehr lange!

Hier kommen wir nun zu meiner These des geheimen Start-Up Unternehmes!

Einige Gourmets unserer Zeit haben einen Plan gefasst, genau dieses Bier mit all seinen geschmacklichen Facetten traditionell nachzubrauen – ein Remake aus dem 14 Jahrhundert – ein Traditionsbier aus dem Mittelalter. Dazu müssen die Zutaten stimmen, vorneweg die Grundzutat, das Wasser aus den Möllner Seen zum Brauen.

Die Vorbereitungen sind meinem Gefühl nach im vollen Gange. Die Teilhaber halten sich noch sehr bedeckt, aber wenn man genau hinschaut, erkennt man sie. Sie tauchen immer zu zweit auf und haben zusammen 6 Beine. Teilhaber des neuen Start-Up Unternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein möglichst großen Vierbeiner haben, den sie mehrmals täglich durch die Möllner Stadt treiben und ihn dazu drängen, sein Geschäft zu verrichten.

Aus dem Geschäft des Hundes wird das Geschäft der Unternehmer. Ich habe sie durchschaut. Wenn ich sie auf meinen Streifzügen durch die Stadt anspreche, bekomme ich nur Falschaussagen bzw. Ablenkungsmanöver als Antwort: „Ausgerechnet heute habe ich keinen Kotbeutel dabei“ oder: „Normalerweise muss er um diese Zeit nur Pinkeln“.

LÜGEN! Sie verschleiern nur ihr wahres Vorhaben, die Wasserwerte durch die Hundescheiße auf die Werte des 14. Jahrhunderts zurück zu setzen.  Ich sauf die Plörre nicht und frage mich, ob es wirklich sein muss, aus allen Geschäften ein Geschäft zu machen. Nun gut, warten wir ab, wie sich das Start-Up „Traditionsbier aus dem 14. Jahrhundert“ entwickelt, aber seien wir ehrlich, es wird sich nicht durchsetzen und unserem Mölln würde es gut zu Gesichte stehen, wenn der Hundekot da landet wo er hingehört. In den Müll! Nicht auf die Straße!

Prost
Euer TILL