Von verloren geglaubter Euphorie und dem Kurpark Spektakel

Vergangenes Wochenende war es endlich soweit - das Kurpark Spektakel öffnete seine Tore wieder. Und nicht nur das, die Straßenkunst öffnete uns auch Herz und Seele. Aber lest selbst!

Vor genau einer Woche saß ich morgens aufgeregt im Büro und konnte es gar nicht erwarten endlich mit dem Veranstaltungsaufbau zu beginnen. Endlich sollte es soweit sein – die erste Veranstaltung nach 10 Monaten, teils zäher, Büroarbeit. Meine Vorfreude lässt sich ähnlich der eines Kindes am Heiligabend beschreiben.

Die Tage zuvor haben wir bereits fleißig allen möglichen Krimskrams zusammengetragen, immer mit dem Gefühl, dass man vielleicht etwas Wichtiges vergessen haben könnte. Ein wirklich quälendes Gefühl, denn der Beginn der diesjährigen Veranstaltungssaison sollte schließlich gut werden. Und – Spoileralarm – das war er auch!

Gut gelaunt und motiviert trafen Freitagmorgen dann erst einmal die Jungs (oder besser gesagt Männer) vom Bauhof ein, um unser ganzes Equipment von A nach B zu karren. Ich mag die Bauhofjungs ja total gerne. Immer gut gelaunt und mit einem Spaß auf den Lippen wurden also erst einmal Stehtische, bunte Wimpelketten und Hutgeldzylinder durch die halbe Weltgeschichte gekarrt.

Nervosität von allen Seiten – Es geht endlich wieder los

Und während ich so mit dem Bauhof unterwegs war, erspähte ich schon den ersten Standbetreiber auf einem Parkplatz wartend, der ähnlich aufgeregt sein musste wie wir, denn es war noch weit vor 11 Uhr – der offiziell angekündigten Aufbauzeit. Kopfschüttelnd, aber mir ein Lächeln entlockend, freute ich mich immer mehr, denn endlich würden wir auch einige unserer geschätzten Partnerinnen und Partner wiedersehen. Und die Wiedersehensfreude war groß, von den gebeutelten, vergangenen Monaten war in diesem Moment kaum etwas zu spüren.

Der Aufbauwahnsinn zeigte uns dann auch gleich, wie sehr wir aus der Übung gekommen waren. Ratlos, bei welchem Berg an Aufgaben man nun anfangen sollte, wurde sich dann einfach irgendwie ins Chaos gestürzt und es dauerte nicht lange, da war ich auch schon wieder am Fluchen und am Jammern – also voll im Veranstaltungsmodus drin! 😀

Bereits am Freitag kamen die Agentur und einige Künstlerinnen und Künstler an. Überall wurden zur Begrüßung wild die Ellbogen aneinandergestoßen und die Flächen erkundet. Und so flitze man in einer endlosen Schleife von einem Ende des Kurparks zum anderen. Der Freitag fühlte sich ein wenig so an, als würde man nur auf der Stelle treten und nicht so recht vorankommen und nach dem Aufbautag qualmten uns bereits die Füße – beste Voraussetzungen für zwei noch bevorstehende Veranstaltungstage.

Am Samstagmorgen wurde dann noch einmal ordentlich rangeklotzt, sodass eine Punktlandung daraus wurde. Und dann strömten direkt zu Einlassbeginn auch schon die ersten Besucher:innen in den Kurpark. Ich weiß nicht mehr genau, was ich in diesem Augenblick dachte, aber es war ein verrücktes Gefühl. Endlich durften wir Euch wieder bei uns begrüßen.

Zwischen Stress und Straßenkunst

Der Samstag war dann enorm stressig, wir waren den ganzen Tag auf den Beinen und es blieb kaum Gelegenheit zum Luft holen, so viel musste während der Veranstaltung getan werden. Erst als sich dann abends die Tore des Kurparks schlossen und wir uns noch gemeinsam auf ein Getränk trafen, um den ersten Tag Revue passieren zu lassen, kehrte ein wenig Ruhe ein. Geschafft aber glücklich passten wir noch einige Dinge für den kommenden Tag an und verquatschten uns dann. Aber das war nach dieser langen Zeit einfach mal wieder dringend nötig.

Der Sonntag ließ uns mehr Luft und so konnte man die Veranstaltung endlich richtig auf sich wirken lassen. Ein überwältigendes Gefühl. Ich habe die Shows der Künstler:innen bestaunt, mich über die glücklichen Gesichter der Besucher:innen gefreut und das tolle Wetter genossen. Mit dem hatten wir übrigens echt Glück, die ganzen Tage zuvor hat´s wie aus Eimern geschüttet und pünktlich zum Aufbau war das Wetter uns dann wohlgesonnen. Das Kurpark Spektakel hat dann sein Übriges getan und zweifelsohne den gewohnten Charme von Straßenkunst versprüht.

Keine Ahnung, ob es Menschen gibt, die sich an so etwas satt sehen können, aber ich gehöre definitiv nicht dazu. Jedes Jahr erfreue ich mich erneut daran, wie einfach es ist, Menschen zu verbinden – sogar ohne große Worte. Die Kreativität und Leidenschaft, welche in den einzelnen Programmen steckt, sowie das jahrelange Erproben und Verfeinern der einzelnen Shows dahinter, bringt meine Herz jedes Mal zum Strahlen. In Verbindung mit den vielen tollen Gesprächen im Hintergrund über die Orte, die von den Künstler:innen bereits bereist wurden, packt mich jedes Mal ein wenig Fernweh. Ein angenehmer Nachteil, wenn man sich die Welt nach Mölln holt.

Aber wie das nun mal leider so mit allen schönen Dingen ist – sie gehen viel zu schnell vorbei! Und so musste am Sonntag auch schon wieder abgebaut werden. Die Künstler:innen verstreute es in alle Winde, das fröhliche Bunt der Wimpelketten wurde wieder eingemottet und wir merkten allmählich spürbar, dass wir auf Reserve liefen. Ich will ehrlich sein, als wir am Montag die restlichen Abbauarbeiten machen mussten, stand es scheinbar so schlimm um mich, dass mein Kollege mich sogar gefragt hat, ob ich überhaupt arbeiten kann. So platt war ich schon seit langem nicht mehr. Aber das war es wert! Und wer feiern kann, kann bekanntlich auch arbeiten. Nun sind seitdem einige Tage vergangen und ich konnte mich mittlerweile ganz gut erholen.

Über das vergangene Wochenende habe ich bereits viel nachgedacht. Vom Gefühl her sind einem die Tage wie Sand durch die Finger geronnen. Ich hätte gern etwas länger und intensiver an diesen zwei Tagen festgehalten, aber es fühlt sich ein wenig so an, als wären sie einem aus den Händen geglitten ohne dass man etwas dagegen unternehmen konnte. Gerne hätte ich diese Glücksgefühle noch mehr ausgekostet – in mich aufgesogen – um davon im Nachhinein noch lange zehren zu können.

Verloren geglaubte Euphorie und Kleinkunst für die Seele

Aber ich bin unglaublich dankbar und glücklich darüber, dass wir diese Chance bekommen haben. Erst durch das Kurpark Spektakel habe ich bemerkt, dass ich mich ein wenig zu sehr an den Büroalltag gewöhnt habe. Das euphorische Gefühl, welches eine Veranstaltung jedes Mal in mir hervorruft, war bereits so tief vergraben, dass es verloren zu sein schien.

Doch damit ist nun Schluss, die Freude ist wieder da und dazu haben ganz viele Leute ihren Teil dazu beigetragen. Meine Kolleg:innen, die sich jedes Jahr auf´s Neue mit mir in diesen Wahnsinn stürzen. Unsere Helferinnen, die sich das ganze Wochenende lang von uns haben rumscheuchen lassen. Unsere Standbetreiber:innen, die sich nicht haben unterkriegen lassen und wieder zur Stelle waren. Die Agentur, die jedes Jahr eine grandiose Auswahl von Künstler:innen trifft und natürlich Ihr – die uns weiterhin treu bleiben, zu unseren Events kommen und diese wertschätzen.

Ich freue mich bereits riesig auf die nächste Veranstaltung und kann es kaum erwarten endlich wieder aus dem Büro rauszukommen. Denn das ist, was – zumindest meiner Seele – guttut!