Zwischen Bierzeltgarnituren und Künstlern

2019 vergeht wieder einmal wie im Flug und der August ist bereits fortgeschritten. Das bedeutet, dass ich bereits ein Jahr Teil des Tourismus- und Stadtmarketing Mölln bin. Oder wie ich meine Kollegen und Kolleginnen liebevoll nenne (ohne, dass sie es wissen) – die durchgeknallte Bande.

 

Vor einem Jahr hatte ich so gar keine Ahnung, was auf mich zukommen würde. Ich wusste nur, dass alle, die ich bis dahin flüchtig kennengelernt hatte, einen recht netten Eindruck machten.

 

Mein Einstieg war dann wirklich turbulent, da zu dem Zeitpunkt die Eulenspiegel Festspiele in den letzten Zügen der Vorbereitung waren. Ich lernte also schlagartig an die 80 neue Personen kennen, die überall im und vor‘m historischen Rathaus Tag für Tag herum wuselten. Und ich weiß ja nicht, wie das bei Euch ist, wenn Ihr neue Leute kennenlernt, aber mein Gehirn scheint sich in diesem Moment ganz komische Dinge zu denken. So geht der Name der jeweiligen Person meist zum einen Ohr rein und zum anderen direkt wieder raus. Das hat schon zu manch einer, sagen wir mal interessanten Situation geführt. Wenn es dann hieß „Hast du xy gesehen?“ oder „Kannst du xy mal Bescheid geben, dass das Mikrofon hier noch liegt.“ und ich absolut keine Ahnung hatte, von wem denn da überhaupt die Rede war. Auch jetzt kommt es noch vor, dass mich Leute auf der Straße so erwartungsvoll angucken oder sogar grüßen und ich gar nicht zuordnen kann, wer das überhaupt ist und wodurch ich diese Person kenne. Wenn Ihr also so eine Person seid, bitte nicht wundern, das ist mittlerweile mein ganz normaler verwirrter Zustand.

 

Rückblickend hätte es aber keinen angenehmeren Start geben können, denn die Eulenspiegel Festspiele 2018 waren eine tolle Zeit, mit ganz lieben Menschen und jeder Menge lustige Momente, an die man sich gern zurückerinnert. Da nach den Eulenspiegel Festspielen im vergangenen Jahr aber zeitig das Altstadtfest und das Spektakulum Mulne folgten, gab es erst Mitte September die erste etwas ruhigere Phase, in der man sich endlich mal einfinden konnte.

 

Da ich urplötzlich einfach im Festspiel-Chaos da war, war ich auch nach 1 1/2 Monaten noch unbekannt für manch eine meiner Kolleginnen und eine Führung durch unser Haus hatte ich bis dato auch nicht bekommen. Aber wenn ich mal ehrlich sein soll, kenne ich auch nach einem Jahr noch nicht jeden Raum in unserem (riesigen und auch etwas geheimnisvollem) Haus und dabei habe ich schon so manch einen Winkel beim Quatsch machen mit’m Eulenspiegel erforscht.

 

Die nächste lustige Situation, die nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist, muss im Oktober gewesen sein, als ich in unserem Büro zum ersten Mal für einen ganzen Tag alleine war. Ich hab mit einem super entspannten Tag gerechnet und hatte dann pünktlich kurz nach Arbeitsbeginn einen Handwerker bei mir stehen, der eine angekündigte Inspektion durchführen wollte. Ich wusste natürlich von nichts und war sichtlich ratlos. Der werte Herr fragte mich dann, ob der Hausmeister denn schon da sei, da mit ihm alles abgeklärt war. Ja.. und da hatten wir die nächste interessante Situation. Ich war völlig überrascht, dass wir einen Hausmeister haben. Gewusst habe ich das nicht, ebenso wenig wollte ich mir das aber anmerken lassen. Und so lautete meine Antwort: „Puh, also den hab ich heute Morgen noch nicht gesehen.“ Gekonnt überspielt haben wir’s im Endeffekt auch ohne Hausmeister schaffen können. Eine Woche später habe ich dann meinem Chef davon berichtet und er hat mich dann darüber aufgeklärt, wer denn überhaupt unser Hausmeister ist. Witzigerweise habe ich mich bei besagtem Kollegen sowieso die ganze Zeit gefragt, was genau hier eigentlich sein Job ist, aber pssst – nicht verraten (hoffentlich liest er das hier nicht 😉 ).

 

Das letzte Jahr hielt viele verschiedene Situationen und vor allem Aufgaben für mich bereit. Viel Spannendes, aber auch echt einiges, worauf man gut verzichten könnte und daher gibt‘s nun meine Top 5 Aufgaben, für die ich eine Hassliebe entwickelt habe.

 

Platz Nr. 5 – Bierzeltgarnituren aufstellen

Das ist eine Aufgabe, die kann ich tatsächlich noch verschmerzen und würde sie so einigen anderen Aufgaben bevorzugen. Doof wird‘s nur, wenn einem der Kollege zugesichert hat, dass deine Schicht total ruhig wird und du kaum was machen musst, außer da zu sein und auf einmal findest du dich im Schuppen wieder und musst ganz alleine die Bierbänke und Tische meterhoch auf einen Karren stapeln. Ja, danke auch.. meine Schicht beim letzten Kinderfest war wirklich total ruhig. 😉 Schön sind dann auch die Diskussionen um die Anordnung besagter Garnituren und das immer wieder minuziöse verschieben dieser, bis alles auf den Millimeter genau steht und am Ende rücken sich die Gäste eh alles so zurecht, wie sie‘s gern hätten und die akribische Formation vom Morgen ist dahin.

 

Platz Nr. 4 – Flohmarktstände einzeichnen

Das Altstadtfest steht aktuell wieder vor der Tür und somit auch der Flohmarkt am Sonntag mit gut 400 Standplätzen. Das heißt also genauso oft runter in die Hocke, Kreidemarkierung und weiter. Hierfür haben wir übrigens ein super Hightech-Messgerät, das aus einer Schnur und einem Stein besteht, die wir stetig hinter uns herziehen. Ich verstehe nun wirklich nicht, warum die Leute uns dabei immer so beschmunzeln. An einem solchen Tag ist man jedenfalls froh, wenn man mal ganz wichtig das Klemmbrett halten und Anweisungen geben darf. Trotz der, ich würde sagen leicht schadenfrohen, Ankündigungen darüber, wie „toll“ diese Aufgabe doch ist, empfand ich sie im letzten Jahr als recht angenehm. Mit den richtigen Mitstreitern kann man auch hierbei Spaß haben.

 

Platz Nr. 3 – Rindenmulch schaufeln

Ich möchte gar nicht an die Lieferung Rindenmulch denken, die pünktlich zum Weihnachtsmarkt wieder auf dem Marktplatz verteilt wird. Stellt euch einfach tonnenweise von dem Zeug vor und dann den traurigen Anblick von Persönchen, die dafür Sorge tragen müssen, dass das alles verteilt wird. Da können einen sogar Flachwitze a lá „Jetzt können wir uns die ‚Schippendales’ nennen“ nur noch bedingt aufmuntern. Nach so einem Tag spürt man wirklich jeden einzelnen Knochen seines Körpers und weiß, was man geleistet hat.

 

Platz Nr. 2 – kryptische Mails entziffern

Es ist manchmal schon echt zum Haare raufen, wenn man Mails entziffern muss, die vermutlich nicht einmal der Geheimdienst entschlüsseln könnte. Auf einmal werden Abkürzungen benutzt, die alles andere als geläufig sind. Meine allererste Konfrontation mit einer solchen Abkürzung war ein Betreff bezüglich des „WM“. Joar und dann denkt man erst mal nach, was genau man denn für eine Veranstaltung hätte, bei der es um die Fußballweltmeisterschaft geht. Und während man sich so den Kopf zerbricht, dämmert es einen allmählich und man schlägt die Hände vor den Kopf. Na, wer von euch Lesern/innen hat erkannt, dass die Mail inhaltlich den Weihnachtsmarkt zum Thema hatte?

 

Und nun.. Trommelwirbel bitte.. mein Platz Nr. 1 der unliebsamen Aufgaben – dreckige Hussen abziehen und waschen

Schöne rote Hussen, voll Senf oder Ketchup. Muss ich noch mehr dazu sagen?  Aye, wie ist das schön und mir jedes Mal eine riesige Freude, die auszutauschen und die dazugehörigen Aschenbecher direkt mit zu leeren. Besonders, weil man doch jedes Mal auf’s Neue noch Zuhause darüber nachdenkt Handschuhe mitzunehmen, um auf der Arbeit festzustellen, dass man’s wieder einmal vergessen hat (das Alter lässt grüßen, hoffentlich hat’s den Besuchern wenigstens geschmeckt). Aber auch das gehört nun einmal zu meinem Job dazu und es könnte schlimmer sein.

 

Alles in allem sind all diese Punkte nur halb so wild, aber ich wollte das Ganze mal verdramatisieren und der Leistung, die ich hier erbringe einen ordentlich Push geben. Mein Arbeitsalltag ist die meiste Zeit doch recht locker und super lustig. Zwischen Till Eulenspiegel, einem Chef, der einen immer dann eine Frikadelle ans Ohr labert, wenn man gerade Feierabend machen will und dem umarmen von Bäumen (ohja, auch das hab ich schon während meiner Arbeitszeit getan), lässt es sich hier ganz gut aushalten.

 

Mein Geschwafel hier wird langsam viel zu lang (ich könnte wohl aber einen Roman damit füllen), aber ich denke jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um mal ein wenig kitschig zu werden. So als netten Abschluss und dem kleinen Wink, hier auch weiterhin beschäftigt sein zu wollen.

 

Ich bin wirklich froh hier gelandet zu sein. Meine Kollegen und Kolleginnen sind alle durchweg super liebe Menschen, mit denen man einfach eine gute Zeit haben kann. Ich hab hier die Freiheit Quatsch zu machen, mich kreativ einbringen zu können und bin bei jeder tollen Veranstaltung an vorderster Front mit dabei. Ich fühle mich für den Moment zwischen all dem Chaos hier einfach richtig gut aufgehoben und hoffe, dass das auch noch eine ganze Weile so bleibt.

 

Und so werde ich mich auch weiterhin dem ganz normalen Wahnsinn hier stellen. (Und erst einmal darauf hoffen keinen auf den Deckel zu bekommen für diesen Blogbeitrag 😉 )